Ein Film von Tom Tykwer nach dem Roman von Dave EggersAb 28. April im Kino

Wüstenexpedition von Tom Tykwer – Filmkritik von Spiegel Online

Die Romanverfilmung „Ein Hologramm für den König“ treibt hübsch Schabernack mit der Abstiegsangst der Mittelschicht. Hinzu kommen tolle Bilder aus der Wüste – und eine Glanzrolle für Tom Hanks.

Ausgerechnet in das sonst stets heitere Knautschgesicht von Tom Hanks haben sich tiefe Panikfurchen eingegraben. Hanks spielt einen Geschäftsmann, der in die Jahre gekommen ist. Er heißt Alan Clay und hat sich Zeit seines Lebens an die amerikanische Devise gehalten, dass sich mit einem breiten Lächeln und ein paar gutgelaunten Sprüchen praktisch alles verkaufen lässt.

Die Geschichte geht damit los, dass Alan Clay wie ein Fremdenführer durch die blitzsaubere, sonnenbeschienene Vorstadtwelt von Boston läuft, es erklingt der Talking-Heads-Song „Once In A Lifetime“, eine klassische Spießerverhöhnung – und dann explodieren nacheinander das Eigenheim, das Auto und die Ehefrau des Helden in drei lila Rauchwolken.

So bombig lustig und comichaft beginnt die Verfilmung eines Romans, der eigentlich ein Lehrstück ist. „Ein Hologramm für den König“ heißt das Buch, das der amerikanische Schriftsteller Dave Eggers vor ein paar Jahren veröffentlicht hat, und so heißt auch der Film, den der deutsche Regisseur Tom Tykwer mit Tom Hanks in der Hauptrolle gedreht hat.

Ein Misserfolgsmärchen

Der Regisseur Tom Tykwer schert sich gar nicht erst um politisch-ökonomische Grundsatzfragen. Das ist ein Glück. Tykwer begreift den Ausflug in die Wüste als Forschungsexpedition. Er lässt seinen Stamm-Kameramann Frank Griebe in wunderschönen Bildern schwelgen, die glitzernde Hochhausfassaden und stahlblauen Himmel, roten Sand und elegante Autobahnen, den Stolz der arabischen Bosse und die Beflissenheit ihrer westlichen Lakaien als grandiose Gegensätze inszenieren. Parallel zu dieser äußeren Pracht – der Film wurde übrigens größtenteils in Marokko gedreht – betreibt Tykwer die Seelenerforschung seines Helden.

Er sieht Tom Hanks, mit dem er 2012 in „Der Wolkenatlas“ ein ziemlich artifizielles Verwandlungskunststück voller Action-Irrsinn veranstaltet hat, bei einer fast privaten Charakterkomödie zu. Der Alan Clay, den Hanks spielt, ist keineswegs der amerikanische Jedermann und notorisch begriffsstutzige Geistesbruder von Forrest Gump, für den man ihn anfangs hält. Clay ist ein völlig gedankenklarer Leidensmann, eine verschrobene, manchmal anrührende, oft verblüffend komische Unglücksgestalt.

Ständig scheint er über seine eigene Verwandlung zu staunen. Er kommt zu wichtigen Treffen zu spät, was nur deshalb kaum wer merkt, weil seine Geschäftspartner gar nicht erst erscheinen; er liefert sich absurde, vergnügliche Wortgefechte mit seinem einheimischen Fahrer Yousef (Alexander Black); er freundet sich mit einer dänischen Hightech-Wanderarbeiterin namens Hanne (Sidse Babett Knudsen) an; und er betrachtet immer wieder besorgt die schwer symbolische Geschwulst auf seinem Rücken, die ihm irgendwann mithilfe der saudischen Ärztin Zahra (Sarita Choudhury) weggeschnippelt wird.

Von allen Figuren, die sich der Schriftsteller Eggers in „Ein Hologramm für den König“ ausgedacht hat, ist diese Ärztin die surrealste. Sie begegnet dem Helden wie ein Engel der Erlösung – und stürzt ihn, weil er sich wiederum als Schlappschwanz erweist, in noch tiefere Verzweiflung. Tykwers Film ist da gnädiger. Nach einer lustigen Begegnung mit grimmigen, schwer bewaffneten Viehhirten, nach dem Auftritt eines sanftmütigen saudischen Milliardärs und nach dem kaum mehr erhofften Erscheinen des Königs auf der Wüstenbaustelle findet der Held dieses Misserfolgsmärchens tatsächlich eine Art von Glück.

Im so lange von Höllenängsten gepeinigten Gesicht von Tom Hanks strahlt da schon fast wieder die gewohnte Zuversicht.

Den ganzen Artikel gibt es hier.

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